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von e-fee » 28.06.2011, 22:55
Was eine Dissertation ist, wissen wir hier auch. Seit Guttenberg und einigen anderen Leutchen wissen wir ebenso, dass sie nicht immer das Papier wert ist, auf dem sie gedruckt ist.
Ich kenne genügend Akademiker (bin ja selbst eine) und auch Doktoren. Habe gestern abend mit einem alten Kumpel getafelt, Doktor der Afrikanistik, der in den letzten Jahren nur in der IT der Uni gearbeitet hat, nach Koordination des Einführung von Lernplattformen leitet er nun die Beschaffung von Software-Lizenzen für die Uni. Dann kenne ich einen Herrn (der heißeste Kerl bei uns im Fitness-Studio btw), der nach Traum-Diplom und Traum-Jobs bei Airbus und Konsorten letzten Sommer seine Promotion in Luft- und Raumfahrttechnik abgeschlossen hat - um jetzt sein Hobby zum Beruf zu machen und Vollzeit-Schauspieler zu werden!
Dann wäre da noch der Dr. jur., der letztens mal einen Kommentar nicht genau genug gelesen hatte und anschließend zu mir - Nicht-Juristin - meinte: hey, du hattest recht, ich hab da was überlesen!
Dann die Realschullehrerin mit ihrem Vanity-Doc.
Und dann sind da noch all die Lehrenden, die man selbst so erlebt hat, zum Teil sogar habilitiert, mit Lehrstuhl, wo man sich in Sachen Lebenstüchtigkeit trotzdem an den Kopf packt.
Eine Doktorarbeit ist nach erfolgreich abgeschlossenem Studium eher eine Frage des Fleißes als der überdurchschnittlichen Intelligenz. Oder eine Frage dessen, ob man sich noch mal ein paar zusätzliche Jahre im Elfenbeinturm antun möchte.
Normalerweise studiert man während der Promotion nicht mehr; es sei denn, es ist ein Promotionsstudium erforderlich. Das sorgt natürlich für Verwirrung.
Schön, dass Du x Fremdsprachen sprichst (je nach Auslandsaufenthalten, Migrationshintergrund und peer group in der Kindheit kein Kunststück), schön, dass Du an der LMU (hatte die nicht so'n Schildchen "Elite"?) bist und nicht an der Uni Posemuckel, schön, dass Du Deinen Doktor NACH 2 Jahren (bereits?) HAST, WÄHREND du (immer noch?) STUDIERST, schön, dass Du irgendwelche Zertifikate im Schrank liegen hast (hat außer Dir hier garantiert NIEMAND, damit bist Du ganz vorn dabei!), schön, dass Du 'n Eifon hast, und schön, dass Du Skype entdeckt hast. Fand ich, als ich in Amiland war, auch superpraktisch, um aus öffentlichen W-LANs ellenlange Gespräche für fast kein Geld nach daheim oder an US-Handys zu führen, auch ohne Eifon. Noch was?
Jedenfalls wird Dir keine einzige dieser Tatsachen garantieren, dass Du der Oberchecker bist und im Leben mal was aus Dir wird. Akademische Bildung hat nur sehr am Rande damit zu tun, wie man im Leben performt. Top-Jurakenntnisse machen nun mal nicht zwangsläufig einen Top-Schreiber - sie machen ja auch keinen Top-Sportler.
Wer in der Theorie gut ist, kann in der Praxis trotzdem erbärmlich sein.
Es gibt genug Karrierehengste mit Titel, Top-Noten, in Top-Unternehmen, die menschliche Wracks sind, sich das falsche Zeug einwerfen, irgendwann nach dem Burnout auf Kindergärtner oder aufs Schafehüten umsatteln.
Schnipselchen, ich habe hier nur den Durchschnitt aus den Erfahrungen errechnet, die mir andere Leute so zugetragen haben bzw. die Deinen eigenen Aussagen entnommen sind. Würde jetzt auch sowieso nicht mehr telefonieren wollen, das Angestelltenleben ist hart, da muss man früh in die Heia. Wünsche Dir ganz viel Spaß im Url ... äh natürlich bei der Arbeit!